Sehr geehrte Damen und Herren,

buchstäblich in letzter Minute ist es gelungen, die längste und folgenschwerste Tarifauseinandersetzung in der Geschichte des Deutsche Bahn Konzerns noch im ersten Halbjahr 2015 zu beenden. Am Morgen des 1. Juli verkündeten die Schlichter Matthias Platzeck und Bodo Ramelow nach fünfwöchigen Vermittlungsgesprächen die wohl wichtigste Nachricht dieses Jahres für alle Bahnkunden in Deutschland, für unsere Geschäftspartner und Mitarbeiter. Im Tarifkonflikt mit der GDL wurde ein tragfähiger Kompromiss gefunden. Unser Ziel, für Mitglieder unterschiedlicher Gewerkschaften innerhalb der gleichen Berufsgruppe deckungsgleiche Tarifvertragsinhalte vorzuhalten, wurde erreicht. Ein wegweisender Fortschritt ist zudem die Einigung darüber, dass in künftigen Tarifverhandlungen bereits frühzeitig eine verbindliche Schlichtung einberufen werden kann, sobald einer der beiden Verhandlungspartner dies wünscht. Streikwellen mit Arbeitsniederlegungen von über 350 Stunden im Personenverkehr und mehr als 400 Stunden im Schienengüterverkehr darf und wird es hoffentlich nicht mehr geben.
Die Streiks haben unseren Kunden viel Geduld abverlangt, unsere Mitarbeiter jede Menge Kraft und das Unternehmen wichtige Einnahmen gekostet. Der wirtschaftliche Schaden in den Jahren 2014 und 2015 beziffert sich auf insgesamt rund 500 Millionen Euro, die natürlich im Ergebnis fehlen. Dennoch konnten wir unter diesen schwierigen Bedingungen den Umsatz um 1,3 Prozent auf 20 Milliarden Euro leicht steigern. Das operative Ergebnis in Höhe von 890 Millionen Euro hat unsere Erwartungen nicht erfüllt, auch wenn es ohne die Streiks und teils schweren Sturmbeeinträchtigungen im Januar und März um rund ein Drittel höher ausgefallen wäre.
Fakt ist, dass der Wettbewerbsdruck in allen Geschäftsfeldern weiter zunimmt und unser Kerngeschäft, die Eisenbahn in Deutschland, steigende Belastungen verkraften muss. Allein die EEG-Umlage hat sich seit 2012 auf mittlerweile 160 Millionen Euro pro Jahr vervierfacht.
Unsere volle Aufmerksamkeit gilt daher jetzt unserer Wettbewerbsfähigkeit und konkreten Angebotsverbesserungen für unsere Kunden. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Digitalisierung. Durch unsere 4.0-Initiativen wird sich auch die Wirtschaftlichkeit unserer Prozesse verbessern.
Parallel nehmen wir Einsparungen in der Konzernleitung sowie Umstrukturierungen vor. Wir wollen schlanker, schneller, effizienter und noch kundenorientierter werden. Mit dem Aufbruch in das digitale Zeitalter geht zugleich ein Umbau des Deutsche Bahn Konzerns einher.
Ein wettbewerbsfähiges Portfolio und wirtschaftliche Strukturen sind jetzt die wichtigsten Voraussetzungen, um die Deutsche Bahn in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Daran arbeiten wir als DB-Familie gemeinsam mit Hochdruck und Leidenschaft.

Herzlichst Ihr Rüdiger Grube

Dr. Rüdiger Grube
Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Bahn AG

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